Interview Bernd Schmellenkamp

Seit 1989 sind Sie geschäftsführender Gesellschafter Ihrer eigenen Kommunikationsagentur. Wieso haben Sie sich gerade für diesen Bereich entschieden?

Ich habe bereits mit 12 Jahren bei der Schülerzeitung mitgewirkt, war mit 14 dort Chefredakteur und moderierte beim örtlichen Krankenhausfunk. Ich war und bin kommunikationsbegeistert und wusste insofern sehr früh, dass ich in der Medienbranche tätig sein wollte.

Gibt es etwas, auf das Sie im täglichen Leben niemals verzichten könnten?

Zeit für Freunde und Familie, Momente der Ruhe und der Besinnung.

Wo liegen Ihre persönlichen Stärken und welche Schwächen sehen Sie bei sich selbst?

Meine größte Schwäche ist Ungeduld. Meine Stärken hingegen sind wohl, dass ich sehr offen und wenig eingefahren bin. Ich bin Querdenker mit viel Phantasie.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an anderen?

Intensität, Begeisterungsfähigkeit und Loyalität.

Welche Kommunikationsleistung bewundern Sie?

Souveränität.

Welche Eigenschaft ist in der heutigen medialen Gesellschaft am wichtigsten?

Den Wald vor lauter Bäumen zu sehen.

Gibt es einen Menschen, den Sie bewundern?

Vielleicht am ehesten Richard Branson, dessen Freigeist und seine Furchtlosigkeit beim Aufbau völlig neuer Geschäftswelten imponiert.

Mit wem würden Sie im Medien-Business gerne einmal eine Woche tauschen?

Mit Matthias Döpfner, CEO Axel Springer SE, wegen seiner Mittel und kreativen Möglichkeiten beim Aufbau von völlig neuen Internetprojekten und –firmen. Oder auch gerne Thomas Bellut, Intendant des ZDF, weil ich dann in dieser einen Woche versuchen würde, Strukturen und Geldflüsse in Richtung der Produktion von hochwertigen, innovativen Serien-Projekten mit neuen frischen Schauspieltalenten und – ganz entscheidend – neuen freidenkenden Drehbuchautoren zu lenken. Und ich würde sicherstellen, dass für das visionäre und in seinem Detailkonzept sehr mutigen ZDF-Mediathek-Projekt ganz sicher genügend Mittel für den weiteren Ausbau zur Verfügung stehen.

Schmellenkamp Communications setzt seit einigen Jahren verstärkt auf Online Publishing. Warum?

Weil ich es wichtig finde, als Agentur, die Kunden in ihrer Kommunikation berät, eigene Erfahrungen im Aufbau von Internetprojekten und –portalen zu machen. Denn jede dieser Seiten ist ja ein eigenes Medium. Hinzu kommt, dass wir hier große Synergie-Effekte sehen, beispielsweise mit Medienprojekten, die wir mit Buchverlagen und mit unserem Buchempfehlungsportal literaturtipps.de umsetzen. Zudem finde ich es interessant und entscheidend, die wirklichen Leidenschaften von Mitarbeitern und Partnern zu fördern, indem man deren Begeisterung in spannenden Projekten bündelt. So machen wir es zum Beispiel mit Zermatt und der Schweiz, dem Ort meiner Kindheit und meiner eigenen Leidenschaft, (www.zermattportal.de) und mit England, dem Steckenpferd unserer Cheftexterin (www.mystisches-england.de).

Haben das Radio und die klassische PR in Zeiten des Internets noch eine Daseinsberechtigung?

Ich denke, dass die Frage: „Papa, was ist Radio?“ sehr bald Realität werden wird, und dass “das Radio”, wie ich es seit Mitte der Achtziger mit aufgebaut und erlebt habe, der Vergangenheit angehört. Das finde ich auch unter dem Fortschritts-Aspekt völlig in Ordnung und das ergibt sich zwangsläufig aus den Möglichkeiten der Technik.

Was aber meiner Meinung nach weiterhin gefragt sein wird, sind Stimmen und Audio-Formate, Sendungen, Podcasts, die künftig über andere technische Wege vertrieben werden. Ich glaube zum Beispiel daran, dass man in Deutschland ein Talk-Radio etablieren könnte, wie es in Amerika und weltweit schon lange existiert, und welches dann im Internet und über Tablets, Smartphones etc. verbreitet würde. Ich habe dafür schon früh die Domain www.talkradio.de reserviert und könnte mir mit Partnern irgendwann eine Realisierung vorstellen.

Auf der anderen Seite ist der Begriff „PR“ erst mal nur ein Oberbegriff, unter dem sich vieles und Viele tummeln. Das meiste, was wir die letzten Jahrzehnte unter dieser Überschrift gemacht haben, hat sich schon dramatisch verändert oder wird sich noch stark verändern. Aber dass in diesen Zeiten, in der Kommunikation über alle nur erdenklichen Wege weltweit stattfindet, Fachleute gefragt sind, die sich mutig und ohne Scheuklappen um Kommunikation, öffentliche Beziehungen, Netzwerke und Thementransfers kümmern, daran habe ich überhaupt keinen Zweifel.

Insbesondere die Kommunikation zwischen Ländern und Kulturen wird meines Erachtens nach an Bedeutung immens zunehmen. Wir haben hierfür schon seit einigen Jahren ein hochspezialisiertes Team in der Agentur aufgebaut: das Team translations & adaptations, das mit einem Netzwerk muttersprachlicher Übersetzer und Sprachexperten derartige Sprach-Projekte realisiert.

Was halten Sie vom vielgerühmten Cross Media, im Sinne der Streuung von Inhalten über die verschiedenen Medien und ihrer Verknüpfung untereinander?

Ich denke, dass es ohne diesen Ansatz nicht mehr geht. Allerdings wird die Frage zunehmend sein, welches Thema wie und über welche spezifischen Kanäle gestreut und lanciert werden kann. Es wird nach wie vor und wahrscheinlich umso mehr Themen geben, die sich über den Radio-/Audiopodcastweg realisieren lassen, aber es wird eben auch Themen geben, die man sinnvollerweise nur über das Internet und soziale Netzwerke streut. Hier wird es also sehr auf Fachkompetenz ankommen und darauf, diese für sich sehr spezifischen und immer komplexer werdenden Medienkanäle in der Tiefe zu verstehen und sie dann klug, innovativ und originell zu vernetzen. Die Anforderungen an Kommunikations- und PR-Fachleute werden praktisch täglich höher und anspruchsvoller. Deshalb ist hier auch eine Form von Demut angebracht: Wir lernen täglich Neues dazu.

Wo sehen Sie Schmellenkamp Communications in fünf Jahren?

Ich sehe die Agentur als eine örtlich und räumlich unabhängige, möglichst international weit vernetzte Einheit, die mit Fachleuten unterschiedlichster Bereiche partnerschaftlich und fachspezifisch zusammenarbeitet. Und ich bin sicher, dass wir dann ein Netzwerk aus florierenden Webportalen, die sich untereinander befruchten und ergänzen, steuern werden.